So viele Bücher, so wenig Zeit.
Ich hoffe, das besondere Buch zu finden, das vergessenen Buch, das Buch, das man jemandem der alles hat, mit gutem Gewissen schenken kann, selbst wenn er oder sie es schon hat, das kleine Buch (Schinken verboten !).
Demnächst: das tägliche Gedicht.
Na so ganz täglich wird es schon nicht sein, sonst wird es gar zu langweilig und vorhersehbar. Nein, zu Goethes Geburtstag und anderen speziellen Daten, eine kleine Erinnerung in Form einer lautlosen email...
(Bislang nur auf twitter zu finden.)
Genosse Duch, ehemals Leiter des Tuol Sleng Gefängnisses, wird zu 35 Jahren Gefangnis verurteilt.
Schwarze Milch der Frühe wir trinken sie abends
wir trinken sie mittags und morgens wir trinken sie nachts
wir trinken und trinken
wir schaufeln ein Grab in den Lüften da liegt man nicht eng
Ein Mann wohnt im Haus der spielt mit den Schlangen der schreibt
der schreibt wenn es dunkelt nach Deutschland dein goldenes Haar Margarete
er schreibt es und tritt vor das Haus und es blitzen die Sterne er pfeift seine Rüden herbei
er pfeift seine Juden hervor läßt schaufeln ein Grab in der Erde
er befiehlt uns spielt auf nun zum Tanz
Schwarze Milch der Frühe wir trinken dich nachts
wir trinken dich morgens und mittags wir trinken dich abends
wir trinken und trinken
Ein Mann wohnt im Haus der spielt mit den Schlangen der schreibt
der schreibt wenn es dunkelt nach Deutschland dein goldenes Haar Margarete
Dein aschenes Haar Sulamith wir schaufeln ein Grab in den Lüften da liegt man nicht eng
Er ruft stecht tiefer ins Erdreich ihr einen ihr andern singet und spielt
er greift nach dem Eisen im Gurt er schwingts seine Augen sind blau
stecht tiefer die Spaten ihr einen ihr andern spielt weiter zum Tanz auf
Schwarze Milch der Frühe wir trinken dich nachts
wir trinken dich mittags und morgens wir trinken dich abends
wir trinken und trinken
Geiles Gedicht
Deshalb nun das Folgende (wer den Autor kennt, bitte mitteilen):
Mein Liebchen
Mein Liebchen hat so etwas,
das ist so weich und süß
und dieses kleine Etwas
das ist mein Paradies!
Ich will damit nicht sagen,
dass sie's allein nur hat,
das hat wohl jedes Mädchen
hier und in jeder Stadt.
Die eine hat's für viele,
die and're nur für sich,
da lob ich mir mein Liebchen,
die hat es nur für mich.
Und dieses kleine Etwas
ist meines Liebchens Mund
und wer was and'res dachte,
der ist ein Schweinehund.
Wikileak: Wiki leckt, das Gedicht zum Mediensturm
Gewähre mir Bacchus
Preiswürdig und hehr
Des Weines nicht Tonnen,
Ein völliges Meer!
Im Weinozeane
Bemannen ein Schiff
Mir Brüder, wie Lust hier
Zusammen sie rief.
Gewinnet an Klippen
Das Schiff auch den Leck,
Nie ruft uns zur Arbeit
Melancholisches zur Love Parade
Und der von Langenau, in Trauer halb und halb in Trotz: »Achtzehn.«
Dann schweigen sie.
Später fragt der Franzose: »Habt Ihr auch eine Braut daheim, Herr Junker?«
»Ihr?« gibt der von Langenau zurück.
»Sie ist blond wie Ihr.«
Und sie schweigen wieder, bis der Deutsche ruft: »Aber zum Teufel, warum sitzt Ihr denn dann im Sattel und reitet durch dieses giftige Land den türkischen Hunden entgegen?«
Der Marquis lächelt. »Um wiederzukehren.«
Und der von Langenau wird traurig. Er denkt an ein blondes Mädchen, mit dem er spielte. Wilde Spiele. Und er möchte nach Hause, für einen Augenblick nur, nur für so lange, als es braucht, um die Worte zu sagen: »Magdalena, – daß ich immer so war, verzeih!«
Wie – war? denkt der junge Herr. – Und sie sind weit.
Rilke in Die Weise von Liebe und Tod des Cornets Christoph Rilke
Sommergedicht (schon wieder) Die trüben Tage
Des Lebens Nebel ist ein kurtz bewölckter Tag/
An dem man wenig Licht und Sonne sehen mag.
Der eiteln Dinge Schnee blendt blöder Augen Licht/
Man traut auff glattes Eiß/ daß unterm Fusse bricht/
Mit Sturm und Frost vergeht der Winter dieser Zeit:
Der Christen Sommer ist in froher Ewigkeit.
Abschatz
Gestern war der Sommer Gnade, heute nur noch im Jenseits zu erfahren:
Schon wieder ein Grund sich weg ins Freibad zu machen.
Schon wieder ein Sommergedicht
Der Winter ist die Sünd, die Buße Frühlingszeit,
Der Sommer Gnadenstand, der Herbst Vollkommenheit.
Angelus Silesius: Cherubinischer Wandersmann
Na, wer hätte das gedacht: der Sommer als Gnade... und so mach ich mich ab ins Freibad.
Sommergedicht: Nun aber wirklich
Du frägst, warum im Frühling
Nicht gleich die Rose blühe?
Warum die Nachviole,
Nicht auch bey Tage duffte?
Warum den gantzen Sommer
Nicht Philomele singe?
O Doris, frage lieber
Warum ich dich nicht küsse?
(Der berühmte) Ewald
So ists recht, und deshalb: gleich ins Freibad.
Sommergedicht: heute Rilke
Der Sommer summt. Der Nachmittag macht müde;
sie atmete verwirrt ihr frisches Kleid
und legte in die triftige Etüde
die Ungeduld nach einer Wirklichkeit,
die kommen konnte: morgen, heute abend –,
die vielleicht da war, die man nur verbarg;
und vor den Fenstern, hoch und alles habend,
empfand sie plötzlich den verwöhnten Park.
Da brach sie ab; schaute hinaus, verschränkte
die Hände; wünschte sich ein langes Buch –
und schob auf einmal den Jasmingeruch
erzürnt zurück. Sie fand, daß er sie kränkte.
Was andere im Sommer machen: heute Diderot
Aber um Himmels willen, lieber Leser, gebe ich dir zur Antwort; weiß man je, wohin man will? Zum Beispiel du, wohin willst du? Muß ich dir das Abenteuer Äsops ins Gedächtnis zurückrufen? Sein Herr Xanthippos sagte einmal an einem Sommer- oder Winterabend (denn die Griechen badeten sich zu allen Jahreszeiten) zu ihm: »Äsop, geh ins Bad! Sind wenige Leute darin, so wollen wir uns baden ...«
Äsop ging fort. Unterwegs stieß er auf die Wachtpatrouille von Athen. »Wohin?«
»Wohin?« erwiderte Äsop. »Das weiß ich nicht.«
»Du weißt es nicht? Marsch, ins Gefängnis!«
»Hatt ich nicht recht,« fing Äsop an, »daß ich
sagte, ich wüßte nicht, wohin ich ginge? Ich wollte ins Bad wandern und wandere nun ins Gefängnis.«
in Jakob und sein Herr