So viele Bücher, so wenig Zeit.
Ich hoffe, das besondere Buch zu finden, das vergessenen Buch, das Buch, das man jemandem der alles hat, mit gutem Gewissen schenken kann, selbst wenn er oder sie es schon hat, das kleine Buch (Schinken verboten !).
Demnächst: das tägliche Gedicht.
Na so ganz täglich wird es schon nicht sein, sonst wird es gar zu langweilig und vorhersehbar. Nein, zu Goethes Geburtstag und anderen speziellen Daten, eine kleine Erinnerung in Form einer lautlosen email...
(Bislang nur auf twitter zu finden.)
Sommergedicht: Nun aber wirklich
Du frägst, warum im Frühling
Nicht gleich die Rose blühe?
Warum die Nachviole,
Nicht auch bey Tage duffte?
Warum den gantzen Sommer
Nicht Philomele singe?
O Doris, frage lieber
Warum ich dich nicht küsse?
(Der berühmte) Ewald
So ists recht, und deshalb: gleich ins Freibad.
Sommergedicht: heute Rilke
Der Sommer summt. Der Nachmittag macht müde;
sie atmete verwirrt ihr frisches Kleid
und legte in die triftige Etüde
die Ungeduld nach einer Wirklichkeit,
die kommen konnte: morgen, heute abend –,
die vielleicht da war, die man nur verbarg;
und vor den Fenstern, hoch und alles habend,
empfand sie plötzlich den verwöhnten Park.
Da brach sie ab; schaute hinaus, verschränkte
die Hände; wünschte sich ein langes Buch –
und schob auf einmal den Jasmingeruch
erzürnt zurück. Sie fand, daß er sie kränkte.
Was andere im Sommer machen: heute Diderot
Aber um Himmels willen, lieber Leser, gebe ich dir zur Antwort; weiß man je, wohin man will? Zum Beispiel du, wohin willst du? Muß ich dir das Abenteuer Äsops ins Gedächtnis zurückrufen? Sein Herr Xanthippos sagte einmal an einem Sommer- oder Winterabend (denn die Griechen badeten sich zu allen Jahreszeiten) zu ihm: »Äsop, geh ins Bad! Sind wenige Leute darin, so wollen wir uns baden ...«
Äsop ging fort. Unterwegs stieß er auf die Wachtpatrouille von Athen. »Wohin?«
»Wohin?« erwiderte Äsop. »Das weiß ich nicht.«
»Du weißt es nicht? Marsch, ins Gefängnis!«
»Hatt ich nicht recht,« fing Äsop an, »daß ich
sagte, ich wüßte nicht, wohin ich ginge? Ich wollte ins Bad wandern und wandere nun ins Gefängnis.«
in Jakob und sein Herr
Was andere im Sommer machen: heute Bocaccio
Was andere im Sommer machen: heute Baudelaire
Zur Zeit, als die Natur, von wilder Kraft durchdrungen,
Gewaltge Kinder trug, hätt ich nach meinem Sinn
Bei einer Riesin gern gelebt, bei einer jungen,
Wie eine Katze streicht um eine Königin.
Wie Leib und Seele ihr bei grimmem Spiel erblühten
Und wuchsen, hätt ich gern erschaut von Anbeginn,
Erspäht, wie in der Brust ihr finstre Flammen glühten
Und Nebel traumhaft zog durch ihre Augen hin.
Mit Muße hätte ich erforscht die prächtgen Glieder,
Gestiegen wäre ich die stolzen Kniee nieder,
Und oft im Sommer, wann der Sonnen kranker Strahl
Sie müde hingestreckt quer durch die weiten Wiesen,
Hätt ich geschlummert in der Brüste Schattental,
Gleich wie ein friedlich Dorf am Fuß von Bergesriesen.
Herr Nietzsche und die reifen Früchtchen
Mancher wird nie süß, er fault im Sommer schon. Feigheit ist es, die ihn an seinem Aste festhält.
Die meisten Musiker sind dumpfe Gesellen. Die Fähigkeit schöne Töne zu machen, hat ihnen den Mund verschlagen.
Bach, in einem Ausdruck musikalischen Abscheus bezeichnete ein Orchestermitglied in größtmöglicher Wut als Zippelfagottisten. Der derart titulierte griff zum Degen. Ach, hätte Bach doch eine Kantate in Schiss Moll
geschrieben:"Mein Herr, es bläst so fürchterlich". Sie hätten sich dissonant gestritten und versöhnt.
Musizierende sollten nur mit Maulkorb in der Öffentlichkeit auftreten dürfen (Mahnender Finger Richtung Blauer Bock, Trullala paraden, verschiedenen Stadls, und und und ...).
Woher nehme ich nur all die Zeit, so viel nicht zu lesen?
Ist das jetzt die neue Pisa-Schüler Ausrede,
oder der lustvolle Seufzer unserer Politiker,
die zwar abstimmen aber nicht wissen wofür
oder warum.
Morgenstund hat Gold im Mund (sehr zum Ärger aller Zahnärzte)
Die Renten sind sicher (unsicher).
Blümchen, sag doch noch mal was bevor der Efeu
seine Wurzeln in dein Cranium treibt.